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Schluss mit "Mitmeinen"...

Kollegium und Leitung der Bremer Verwaltungsschule wollen sprachliche Ignoranz und vermeintliches "Mitmeinen" der Frauen in rein männlich formulierten Texten nicht weiter akzeptieren

Frauen Power - gemaltes Bild einer Frau mit dunklem Teint, die ihre Bizeps-Muskeln zeigt, jpg, 28.7 KB

Eigentlich ist es ja eine Binsenweisheit: Sprache ist - natürlich auch in Schule und Verwaltung - eine der wichtigsten Kommunikationsformen. Sie ist Ausdruck gesellschaftlicher Normen und Wertvorstellungen und prägt ihrerseits persönliche Wahrnehmungen und gesellschaftliche Realität. Eben darum muss Sprache – erst recht die „Amtssprache“ – u.a. auch dem Grundsatz der Gleichbehandlung der Geschlechter gerecht werden.

Schon vor dreißig Jahren hat der Senat der Freien Hansestadt Bremen denn auch beschlossen, dass Geschlechtergerechtigkeit auch für die Sprache der Bremer Verwaltung zu gelten hat – zunächst für "Vordrucke" (1986), dann für alle Veröffentlichungen (1990) und schließlich für die ganze Sprache der Verwaltung (2006).

In der Realität wird diese Aufforderung allerdings längst noch nicht konsequent umgesetzt – nicht in der Verwaltung, auch nicht an der Verwaltungsschule. Häufig wird darauf verzichtet, männliche und weibliche Formen zu nennen, obwohl alle Geschlechter gemeint sind – aus Ignoranz, aus Unbedachtheit, aus Bequemlichkeit oder weil geschlechtergerechte Sprache als umständlich, kompliziert und schwer lesbar empfunden wird. In Veröffentlichungen oder Arbeiten wird gern darauf hingewiesen, der Einfachheit halber seien Frauen in der männlichen Form eben "mitgemeint"…
Wissenschaftlich erwiesen dagegen ist: Frauen fühlen sich von rein männlich formulierten Texten weniger angesprochen (Männer von rein weiblich formulierten "natürlich" erst recht... ;-) – und genderunsensible Sprache produziert und reproduziert Geschlechter-Stereotypen.

Das Kollegium der Verwaltungsschule hält deshalb sprachliche Ignoranz und vermeintliches "Mitmeinen" für nicht akzeptabel - auch und gerade nicht an einer Ausbildungseinrichtung für die öffentliche Verwaltung!

"Amtssprache ist deutsch - und zwar ein geschlechtergerechtes!"

Wir fühlen uns im Sprachgebrauch neben der Orthografie also auch der Geschlechtergerechtigkeit verpflichtet. Geschlechtergerechtigkeit beinhaltet für uns dabei im Übrigen nicht nur die Gleichstellung von Mann und Frau, sondern schließt gendersensibel auch diejenigen mit ein, die sich keinem Geschlecht eindeutig zuordnen.

Konkret haben sich Kollegium und Leitung der Verwaltungsschule auf Folgendes verständigt:

  • "Wir achten in unseren eigenen Texten darauf, gendersensibel zu sprechen und zu schreiben, und wir erwarten dies auch von unseren Schülerinnen und Schülern und den an unseren Fortbildungslehrgängen Teilnehmenden, auch und gerade in Prüfungsarbeiten.
  • Wir werden gendersensibles Sprechen und Schreiben in den Lehrveranstaltungen thematisieren.
  • Wir werden die Verwendung ausschließlich männlicher Formen, wenn auch Frauen gemeint sind, als Ausdrucksfehler bewerten.
  • In der Schriftform verwenden wir den Gender-Gap oder den Gender-Star."

Sprachliche Hilfen

Deckblatt der

Um die ständige symmetrische Verdopplung von männlichen und weiblichen Formen ("Schülerinnen und Schüler") zu umgehen und damit die Lesbarkeit von Texten zu verbessern, gibt es viele Möglichkeiten – neutrale Formulierungen, Passivformulierungen und andere kreative Vorschläge. Und es haben sich inzwischen Schreibweisen gebildet, die den Anforderungen an Gendersensibilität Rechnung tragen, z.B. der sogenannte Gender-Gap (Stammform [in der Regel männlich] + Unterstrich + Endung [in der Regel weiblich]) oder der Gender-Star (Stern* statt Gap_). Sehr lesenswert und hilfreich ist die Orientierungshilfe für eine gendergerechte Sprache, die die Landesrektor_innenkonferenz und die Landeskonferenz der Frauenbeauftragten im Oktober 2014 für die Hochschulen im Lande Bremen entwickelt haben - Orientierungen, denen wir uns ausdrücklich anschließen.

Orthografisch unbedenklich...

Vorsorglich haben wir uns gegen mögliche Bedenken abgesichert;-)

Auch der Rat für deutsche Rechtschreibung am Institut für Deutsche Sprache in Mannheim, die seit der großen Rechtschreibreform 1996 diesbezüglich "letzte Instanz", sieht in Gender-Gap und Gender-Star als typografischen Gestaltungsmöglichkeiten keinen Verstoß gegen orthografische Regeln.

Übereinstimmung auch mit der ZGF

Wir fühlen uns in unserer Herangehensweise dadurch bestätigt und bestärkt, dass sie nicht nur mit den Vorgaben des Senats, sondern auch mit den Empfehlungen der Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau und dem 2014 vom Senat beschlossenen Aktionsplan gegen Homo-, Trans- und Interphobie für das Land Bremen übereinstimmt.

Der Beschluss...

Den vollständigen Beschluss, der am 3. März 2016 auch der Schulkonferenz vorgestellt wurde, finden Sie hier: Geschlechtergerechte Sprache an der Verwaltungsschule der Freien Hansestadt Bremen (pdf, 85.3 KB)