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18. Schulkonferenz 2015/16

3. März 2016

Die gut besuchte Schulkonferenz 2015/16 der Verwaltungsschule der Freien Hansestadt Bremen fand am 3. März 2016 von 15:00 Uhr bis 17:30 Uhr im AFZ, Raum B 09 (Funktionsraum) statt.

Auf der Tagesordnung standen folgende Punkte:

  1. Aktuelle Stunde (reserviert für Anliegen aus Klassen und Lehrgängen)
  2. Jahresbericht 2014/2015 und Jahresplanung 2015/2016
  3. Selbstevaluation 2014/2015
  4. Verschiedenes

aktuell: SPORTUNTERRICHT...

Die Aktuelle Stunde war besonders geprägt von einer Schüler_innen-Eingabe, die Sportstätte zu wechseln; immerhin 62 Schüler_innen haben dieses Anliegen, das mit unzureichenden sanitären Einrichtungen argumentiert, mit ihrer Unterschrift unterstützt. Fachleiter und Schulleitung versprachen, das Thema noch mal eingehend zu prüfen. Zugleich bekräftigten sie ihr grundsätzliches Ja zum Sportunterricht in den Berufsschul-Ausbildungsgängen. Konkrete Vorschläge werden zeitnah kommuniziert!

Jahresbericht und Planung

Verwaltungsschuldirektor Holger Wendel erläuterte den Jahresbericht 2014-2015 sowie die vom Kollegium bereits gebilligte Planung für das laufende Schuljahr 2015-2016.

Die Schwerpunkte

Im Mittelpunkt seiner Darstellung standen folgende Punkte:

  • Die Unterrichtsverpflichtung der Verwaltungsschule ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Wegen der unterschiedlich langen Schuljahre lässt sich das am besten an den durchschnittlich erteilten Unterrichtsstunden ablesen: von 41,4 Unterrichtsstunden pro Schultag im Jahr 2012/13 stieg diese Zahl auf 43,5 im Schuljahr 2014/15. Im laufenden Jahr sind 46,5 geplant. Grund hierfür sind insbesondere die neu hinzugekommenen dienstbegleitenden Unterweisungen für die Kaufleute für Büromanagement (inzwischen schon zwei Jahrgänge) und die neuen Einstiegsqualifizierungen für Quereinsteiger_innen, eine Maßnahme für die neuen Mitarbeiter_innen, die im Zuge der Sofortprogramme zur Entlastung der Verwaltungen, die besonders mit der Betreuung von Geflüchteten zu tun haben, eingestellt wurden. (Entlastend wirkte sich dagegen aus, dass der eigentlich geplante Aufstiegslehrgang 2.1/Verwaltungsfachwirte - bedauerlicherweise - wegen Rechtsunsicherheit bisher nicht zustande kam.)
    Im nächsten Schuljahr werden noch mehr Stunden zu unterrichten sein. Neben dbU (dann drei Jahrgänge!) und EQQ (durchgängig zwei Parallelkurse) sind dafür die vom Senat beschlossenen Auszubildenden-Zahlen ursächlich: Mit 50 Verwaltungsfachangestellten (2 Klassen), 25 Justizfachangestellten und 17 Justizvollzugs-Anwärter_innen (jeweils eine Klasse) gehen wir auch räumlich an unsere Grenzen.
    Von der personellen Kapazität her sind die Grenzen eigentlich längst überschritten. Die hauptamtlichen Lehrkräfte nahmen in den vergangenen Jahren erhebliche Überstunden auf sich - und trotz massiver gegenläufiger Bemühungen sammelt sich auch im laufenden Jahr bereits wieder Mehrarbeit an. Mit Hilfe der Senatorin für Finanzen steuern wir gegen - eine neue Lehrkraft hauptsächlich für die dbU (1.1.2015), eine zusätzliche Lehrkraft für die EQQ (1.3.2016) und Verstärkung wegen der vierzügigen Ausbildungsplanung (1.5.2016?) werden die Situation deutlich entspannen.
  • Der Stundenausfall konnte im Schuljahr 2014/15 auf 2,53% gegenüber 4,8% im Vorjahr fast halbiert werden. Ein vergleichsweise guter Wert, der aber das ambitionierte selbst gesteckte Ziel (
  • Die Prüfungs-Bilanz 2014/15 fällt im Ausbildungsbereich ausgesprochen positiv aus: alle zur Prüfung angetretenen VFA-, JuFA- und JVD-Anwärter_innen haben bestanden, ungefähr die Hälfte von ihnen sogar mit Gut oder Sehr gut.
    Durchwachsener war das Ergebnis bei den Verwaltungsfachwirten.
    Signifikant verbessert haben sich die Zertifizierungsergebnisse im Tastaturtraining (100%!) und bei der Englisch-Prüfung KMK Niveau II - 12 Schüler_innen mit überwiegend guten Ergebnissen!
  • Bei der Schulentwicklung im Ausbildungsbereich stechen einige Entwicklungen besonders positiv ins Auge:
    - Der Lehrplan und die Unterrichtskonzepte für die dienstbegleitende Unterweisung der Kaufleute für Büromanagement sind mit diesem neu geordneten Beruf gewachsen. Das Feedback der Auszubildenden ist sehr positiv!
    - Es ist gelungen, den Unterricht für die Justizfachangestellten auf eine professionellere Basis zu stellen. Seit Beginn dieses Schuljahres haben wir zwei hauptamtliche Lehrkräfte, die jeweils mit der Hälfte ihrer Arbeitszeit an der Verwaltungsschule tätig sind (im Übrigen sind sie Rechtspfleger_innen beim Amtsgericht Bremen). Die Zwischenbilanz nach einem halben Jahr fiel für beide Seiten sehr erfreulich aus.
    - Wir haben, u.a. wegen neu gewonnener Kompetenz im eigenen Lehrkörper und in Zusammenarbeit mit der AFZ-Lehreinheit, die Optimierung unserer IT-Ausbildung in Angriff genommen - Ziel: größere berufsbezogene IT-Kompetenz und mehr Integration von IT- und Fachunterricht.
    - Die Activboards werden mehr genutzt - der Betrieb ist durch technische Veränderung und mehr Bedienungskompetenz deutlich weniger störanfällig geworden.
    - Im laufenden Jahr planen wir, gemeinsam mit der Justizvollzugsanstalt und dem Senator für Justiz und Verfassung die Neuordnung der JVD-Ausbildung in Angriff zu nehmen - mit dem Status quo werden wir der uns rechtlich zugewiesenen Rolle jedenfalls nicht hinreichend gerecht.
    - Verschieben mussten wir dagegen wegen der sonstigen Belastungen erneut die kompetenzorientierte Überarbeitung des Lehrplans für die Verwaltungsfachangestellten. Sie bleibt aber eine der wichtigsten Herausforderungen in nächster Zeit.
  • Im Fortbildungsbereich haben wir die Überarbeitung des Curriculums für den ersten Teil der VFW-Lehrgangs weitgehend abgeschlossen - mehr IT-Kompetenz und - mit Blick auf die anschließende Studiermöglichkeit im Weiterbildungsmaster "Komplexes Entscheiden" an der Uni Bremen - mehr selbstorganisiertes Lernen, mehr Arbeitsmethodik, mehr wissenschaftliche Arbeitsweise.
    - Erstmalig, inzwischen schon zwei Mal, konnten Erfahrungen gesammelt werden mit dem völlig neugestalteten dritten Fortbildungsjahr (mit einem Projektanteil) sowie der neuartigen "praktischen Prüfung". Insgesamt, so unser Eindruck, ein gelungenes Modell.
  • Ganz neu sind auch die frisch konzipierten Einstiegsqualifizierungen für Quereinsteiger_innen (EQQ). Bei der Planung haben wir uns von typischen Seminarmodellen gelöst und versucht, uns an den arbeitsbezogenen "Lebenslagen" der neuen Mitarbeiter_innen zu orientieren - als Verwaltungs- und damit als Staats-Beschäftigte im Allgemeinen, als Beschäftigte in der Bremer Verwaltung im Besonderen, und als Mitarbeiter_innen im öffentlichen Dienst. Besonders herausfordernd sind die Heterogenität der Zielgruppe, ihre knappe Zeit neben dem Einsatz an "Brandstellen" der Verwaltung und die erforderliche enge Kooperation mit den dezentralen Qualifizierungen.
  • Anerkennend erwähnt wurden die Schüler_innen-Aktivitäten im Zusammenhang mit Schule ohne Rassismus/Schule mit Courage. In diesem Kontext ist u.a. eine Patenschaft mit dem Übergangswohnheim der AWO an der Falkenstraße entstanden, an der auch die Verwaltungsschul-Lehrer_innen teilhaben: Jeden Mittwochnachmittag bieten sie ehrenamtlich für Geflüchtete zwei Stunden "Deutsch-Kommunikation" an - mit großem Gewinn für beide Seiten!
  • Zur "inneren Entwicklung" der Verwaltungsschule wies Holger Wendel ein weiteres Mal darauf hin, dass es immer komplizierter wird, geeignete nebenamtliche oder freiberuflich tätige Lehrbeauftragte zu finden. Einerseits wird der externe Arbeitsmarkt enger - zumal zu unseren Vergütungssätzen, andererseits fällt es geeigneten Mitarbeiter_innen in der Verwaltung wegen wachsender Arbeitsintensität immer schwerer, sich für die Lehre frei zu machen. Die Anerkennung für nebenamtliche Lehrkräfte bei Vorgesetzten fällt in der Regel eher "dezent" aus, unsere fachlichen und vor allem pädagogischen Anforderungen an sie dagegen steigen. Mittelfristig setzt sich deshalb die Schulleitung für einen Paradigmenwechsel im Lehrer_innen-Einsatz ein: Statt regelmäßig ein Drittel der Ausbildung nebenamtlich zu gestalten, sollte durchgängig hauptamtliche Lehre zur Regel werden - und der Einsatz nebenamtlicher Lehrkräfte dann erfolgen, wenn er pädagogisch sinnvoll ist, z.B. als Expert_innen der Praxis.

Einstimmige Beschlussfassung

Am Ende nahm die Schulkonferenz den Jahresbericht 2014-2015 zur Kenntnis und beschloss einstimmig die Planung 2015/2016.

Die beiden Dokumente finden Sie hier:

Selbstevaluation 2014/2015

Dr. Patricia Grashoff, stv. Direktorin der Verwaltungsschule stellte Kernergebnisse der Selbstevaluation 2014/2015 aus dem Mai letzten Jahres vor; das Gesamtergebnis wurde den Mitgliedern der Schulkonferenz ausgehändigt. Grundtendenz: Alles im grünen Bereich!

Die Antworten auf die Frage nach der Transparenz der Bewertung ("Die Bewertungsmaßstäbe zur Beurteilung meiner Leistungen sind nachvollziehbar") waren 2015 deutlich positiver als im Vorjahr (84% "trifft zu/trifft überwiegend zu" gegenüber 70% 2014); auf diesen Aspekt hatte sich das Lehr-Kollegium nach der letzten Evaluation besonders konzentriert. - Mit Blick auf die nächste Evaluation soll vor allem die Abstimmung der Lehrkräfte miteinander in den Klassen (bzw. die Kommunikation der Ergebnisse dieser Abstimmungen in den Klassen?) verbessert werden - nur unbefriedigende 62 % der Schüler_innen beantworten die Frage, ob sie den Eindruck haben, dass die Lehrkräfte sich miteinander abstimmen, positiv.

Die nach Altersgruppen und nach Geschlechtern differenzierten Teilergebnisse ergaben in diesem Jahr keine auffälligen Abweichungen. Die einzelnen Klassenergebnisse werden wie immer mit den Klassenlehrer_innen in den Klassen erörtert, die nach Ausbildungsgängen differenzierten Ergebnisse mit den Ausbildenden.

Geschlechtergerecht sprechen!!

Unter "Verschiedenes" informierten Kollegium und Schulleitung die Schulkonferenz darüber, dass sie sich verstärkt für gendersensible Sprache an der Verwaltungsschule einsetzen werden; sprachliche Ignoranz und vermeintliches "Mitmeinen" der Frauen in rein männlich formulierten Texten sind für sie nicht länger akzeptabel. "Amtssprache ist deutsch - und zwar ein geschlechtergerechtes!"

Konkret haben sich Kollegium und Leitung der Verwaltungsschule auf Folgendes verständigt:

  • "Wir achten in unseren eigenen Texten darauf, gendersensibel zu sprechen und zu schreiben, und wir erwarten dies auch von unseren Schülerinnen und Schülern und den an unseren Fortbildungslehrgängen Teilnehmenden, auch und gerade in Prüfungsarbeiten.
  • Wir werden gendersensibles Sprechen und Schreiben in den Lehrveranstaltungen thematisieren.
  • Wir werden die Verwendung ausschließlich männlicher Formen, wenn auch Frauen gemeint sind, als Ausdrucksfehler bewerten.
  • Wir schließen uns ausdrücklich den Orientierungen zu gendergerechter Sprache für die Hochschulen im Lande Bremen an.
  • In der Schriftform verwenden wir den Gender-Gap oder den Gender-Star."

Am Ende seines Appells wies Holger Wendel darauf hin, dass diese Herangehensweise nicht nur mit der Beschlusslage des Senats zur Sprache der Bremer Verwaltung, sondern auch mit den Empfehlungen der Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau und dem 2014 vom Senat beschlossenen Aktionsplan gegen Homo-, Trans- und Interphobie für das Land Bremen übereinstimme. Und - rein vorsorglich;-) - "Auch der Rat für deutsche Rechtschreibung am Institut für Deutsche Sprache in Mannheim, die seit der großen Rechtschreibreform 1996 diesbezüglich „letzte Instanz“, sieht in Gender-Gap und Gender-Star als typografischen Gestaltungsmöglichkeiten keinen Verstoß gegen orthografische Regeln ..."

Hier der vollständige Beschluss Geschlechtergerechte Sprache an der Verwaltungsschule der Freien Hansestadt Bremen (pdf, 85.3 KB)
sowie die sehr lesenswerte Orientierungshilfe für eine gendergerechte Sprache. An den Hochschulen im Lande Bremen (Oktober 2014)

Das Protokoll zum Downloaden: (pdf, 147.3 KB)

(Das Protokoll ist zum Teil anonymisiert; die vollständige Version mit allen Namen ist den Mitgliedern der Schulkonferenz bzw. den Klassen zugestellt worden.)